Eilenburg: Kultur aufs Land!

„Kultur aufs Land!“ ist der Titel unserer ersten größeren Veranstaltung nach der Sommerfrische. 23 Teilnehmende aus der Kommunalpolitik, Kulturschaffende und interessierte BürgerInnen folgten unserer Einladung ins Bürgerhaus Eilenburg und kamen mit unseren ReferentInnen über die Möglichkeiten und Finanznöte des Kulturbetriebs im ländlichen Raum ins Gespräch. Den Anfang machte Franz Sodann, seines Zeichens kulturpolitischer Sprecher der Fraktion Die LINKE. im sächsischen Landtag. Er referierte zum Sächsischen Kulturraumgesetz im Allgemeinen sowie zu den Neuerungen in der kürzlich erschienen Förderrichtlinie und den Besonderheiten des Kulturraums „Leipziger Land“ im Speziellen. Unser Vorstandsmitglied Susanna Karanawanskij richtete den Blick auf die finanziellen Aspekte des Kulturraumgesetzes, insbesondere auf die Frage der Finanzierung durch die Kommunen im Kulturraum und der anteiligen Kulturumlagen der Landkreise. Nicht zuletzt freuen wir uns, dass wir mit Dr. Klaus-Dieter Anders einen langjährigen und engagierten lokalen Praktiker als Referenten gewinnen konnten. Als Vorsitzender des Kulturbeirats im Kulturraum „Leipziger Raum“ konnte er qualifizierte Einblicke in die tägliche Kulturarbeit geben und auch Vergleiche zu anderen Kulturräumen ziehen.

Unsere drei ReferentInnen bestritten den Abend aber nicht allein, immer wieder gab es Fragen, Anregungen und Diskussionsbedarf seitens der Teilnehmenden. Das Thema ist und bleibt aktuell, nicht allein aus finanzieller Sicht, wenn die Haushaltsberatungen anstehen und erneut über Sitzgemeindeanteile debattiert wird. Ebenso ist es eine politische Frage, welche Sparten aufgrund sinkender Mittel von Kürzungen betroffen sein werden. So verwundert es nicht, dass die Diskussion nicht nur die fachliche Ebene berührt hat, sondern auch emotional und leidenschaftlich geführt wurde.

Unsere Veranstaltung hat neben der Wissensvermittlung ganz deutlich auch einen vermittelnden Charakter. Je nach Kontext der Teilnehmenden kommen selbstverständlich verschiedene Perspektiven auf ein und denselben Gegenstand zu Tage. Sich über diese auszutauschen und die Denkweise des Gegenübers nachvollziehen zu können, ist ein zusätzlicher Gewinn für die gemeinsame Aufgabe der Kulturförderung. Das bleibt auch als Fazit eines langen und mit vielen Gesprächen gefüllten Abends: Kultur, Kulturpflege und Kulturvermittlung sind nicht unter wirtschaftlichen Kriterien zu betrachten, sie sind per se in finanzieller Hinsicht defizitär, personal- und kostenintensiv – aber eben auch eine kommunale Pflichtaufgabe und ein Wert an sich.